Über Corona, steigende Kosten, Lieferketten und Krieg –
Ein Interview mit Björn Scharnhorst

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    Ein Interview mit Björn Scharnhorst

Erst Corona Pandemie dann Holzpreisschock, jetzt Krieg in Europa. Lieferketten funktionieren nicht mehr, es gibt nicht genügend LKW-Fahrer und Preise steigen unaufhörlich. Wie begegnen Sie dieser bedrohlichen Situation?

Abwarten und Teetrinken ist ein traditionelles Rezept, wenn Ungemach droht. Den Kopf in den Sand stecken und warten, bis die Gefahr vorüber ist, ist ein anderer gut gemeinter Ratschlag. Mit beidem kommen wir jedoch in diesen Zeiten von Pandemie und Krieg vor unserer Haustür nicht sonderlich gut weiter. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und die Situation und Ihre möglichen Folgen gut analysieren. In jedem Fall wird es nicht einfach, in den nächsten Monaten einen klaren Kurs zu halten. Wir werden uns immer wieder auf die aktuelle Lage einstellen und reagieren müssen. Nun heißt es, den Moment des Schockzustands zu überwinden und kluge Entscheidungen zu treffen. Für viele Firmen, deren Angestellte und Familien geht es um die wirtschaftliche Existenz. Wir stellen uns der Situation und nehmen diese Verantwortung an.

Ist es vor dem Hintergrund, dass täglich Menschen in Europa getötet werden oder Ihre Heimat verlieren, angebracht, über wirtschaftliche Existenz zu sprechen?

Es ist sicher richtig zu sagen, ein Menschenleben sei höher zu priorisieren als finanziell über die Runden zu kommen. Ich denke nicht, dass das jemand bestreitet. Kurzfristig sind drastische wirtschaftliche Einbußen z.B. durch staatliche Hilfsmaßnahmen sicher für viele Unternehmen zu verkraften. Als Unternehmer haben wir aber die Verantwortung für das finanzielle Auskommen all unserer Mitarbeiter und deren Familien übernommen. Wir sind verantwortlich für die Menschen, die EVS ausmachen.

Kurzfristig wären die Einschnitte also mit staatlicher Hilfe leistbar. Was wären die Folgen auf längere Sicht?

Neben der eskalierenden humanitären Katastrophe sind die Folgen des Krieges in der Ukraine kaum absehbar aber in jedem Fall wirtschaftlich ein absolutes Fiasko. Durch die Pandemie bereits stark unter Druck geratene Lieferketten drohen vollends zu reißen. Er herrscht Knappheit an Energie, Rohstoffen, Material, Transportkapazität und Arbeitskraft. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland schränken viele Bereiche des wirtschaftlichen Handelns ein. Preise steigen nun noch schneller in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung rückt in weite Ferne. Besonders Energie-, Rohstoff- und Transportpreise zwingen uns als EVS zum Umdenken und Handeln. Auch wir werden die vollends aus den Fugen jeder Kalkulation geratenen Preise an unsere Kunden weitergeben müssen. Das ist Teil unserer Verantwortung.

In welcher Form konnten Sie sich und Ihr Unternehmen vorbereiten auf diese Situation?

Unsere Initiativen, uns als Unternehmen dynamikrobust und somit auch krisenfest aufzustellen, tragen erste Früchte. Mit unserer Digital-Offensive ist es uns gelungen, sehr viel mehr Transparenz und Klarheit in unsere Arbeitsabläufe zu bringen. Wir können knappe Arbeitskraft dort einsetzen, wo für unsere Kunden der größte Nutzen entsteht. Dank digitaler Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern haben wir uns auch deutlich mehr Flexibilität erarbeitet. Das schafft Raum und Möglichkeit, auch kurzfristig auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können; denn damit haben unsere Kunden derzeit jede Menge zu tun.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Viele haben Kunden in Russland oder sind von Vorprodukten aus Belarus bzw. der Ukraine abhängig. Erschwerte Ausfuhrbedingungen oder EU-Sanktionen zwingen deutsche Firmen – somit unsere Kunden – dazu, Lieferungen nach Russland einzustellen bzw. stark einzuschränken. Zudem entscheiden sich viele Unternehmen aus eigener Motivation zu dem Schritt, Lieferungen nach Russland bis auf weiteres einzustellen. Das wirbelt Produktionspläne, Organisationen und Lieferketten durcheinander. Fertige oder halbfertige Erzeugnisse werden aus der Produktion genommen und auf Eis gelegt. Im Klartext bedeutet das, dass kurzfristig ein enormer Lagerplatzbedarf entsteht. Lagerdauer ungewiss. Dieser plötzliche, ungeplante Bedarf trifft jedoch auf eine bereits angespannte Situation im Lager.

Was meinen Sie damit?

Die anhaltende Corona Pandemie und die auch damit in Zusammenhang stehenden Lieferengpässe führten in den vergangenen Monaten bereits dazu, dass Sicherheitsbestände soweit möglich erhöht wurden. Die Lager waren gut gefüllt. Kritische Bauteile wie Mikrochips, Steuerungen, Motoren und Vieles mehr fehlten dennoch. Das wiederum führte dazu, dass Maschinen nicht fertiggestellt werden und Kunden nicht beliefert werden konnten. Diese Anlagen verbrauchen also bereits deutlich mehr Lagerplatz, als er den meisten zur Verfügung steht.

Für solche Situationen gibt es doch unter anderem die EVS oder nicht?

Nun ja, das stimmt. Aber für unsere Kunden gilt: Ohne Auslieferung keine Zahlung! Nun kommt also erschwerend hinzu, dass unsere Kunden eine sehr große Vorfinanzierungsleistung eingehen müssen: Der Umsatz steht auf dem Hof, vielleicht auch auf unserem und die Preise für die Produktion und Transporte steigen unaufhaltsam. Eine bedrohliche Situation baut sich auf. Je länger also die aktuelle Krise anhält, Lieferketten gestört oder unterbrochen bleiben, Ausfuhren auch rechtlich schwierig sein werden, desto enger schnürt sich das Seil um den Hals der deutschen Wirtschaft. Selbst wer gute Vorsorge getroffen hat, war nicht auf diese Situation vorbereitet.

Eine dramatische Situation. Wie können wir den schlimmsten Folgen entkommen?

Es bleibt zu hoffen, dass der Konflikt in der Ukraine schnell beigelegt werden kann. Eine weitere Eskalation wollen wir uns nicht vorstellen. Solidarität und Verständnis zwischen den übrigen Ländern der Welt sowie zwischen Handelspartnern sind das A und O. Ich möchte positiv hervorheben, dass ich nie zuvor eine derart große Solidarität und Hilfsbereitschaft erlebt habe. Ich wünsche mir, dass sich das auch auf das Wirtschaftsleben hierzulande übertragen lässt. Kunden und Lieferanten müssen nun enger und partnerschaftlicher miteinander umgehen als je zuvor. Ich bin voller Hoffnung, dass auch das gelingen wird. Zusammen werden wir die Krise überstehen.

Erst Corona Pandemie dann Holzpreisschock, jetzt Krieg in Europa. Lieferketten funktionieren nicht mehr, es gibt nicht genügend LKW-Fahrer und Preise steigen unaufhörlich. Wie begegnen Sie dieser bedrohlichen Situation?

Abwarten und Teetrinken ist ein traditionelles Rezept, wenn Ungemach droht. Den Kopf in den Sand stecken und warten, bis die Gefahr vorüber ist, ist ein anderer gut gemeinter Ratschlag. Mit beidem kommen wir jedoch in diesen Zeiten von Pandemie und Krieg vor unserer Haustür nicht sonderlich gut weiter. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und die Situation und Ihre möglichen Folgen gut analysieren. In jedem Fall wird es nicht einfach, in den nächsten Monaten einen klaren Kurs zu halten. Wir werden uns immer wieder auf die aktuelle Lage einstellen und reagieren müssen. Nun heißt es, den Moment des Schockzustands zu überwinden und kluge Entscheidungen zu treffen. Für viele Firmen, deren Angestellte und Familien geht es um die wirtschaftliche Existenz. Wir stellen uns der Situation und nehmen diese Verantwortung an.

Ist es vor dem Hintergrund, dass täglich Menschen in Europa getötet werden oder Ihre Heimat verlieren, angebracht, über wirtschaftliche Existenz zu sprechen?

Es ist sicher richtig zu sagen, ein Menschenleben sei höher zu priorisieren als finanziell über die Runden zu kommen. Ich denke nicht, dass das jemand bestreitet. Kurzfristig sind drastische wirtschaftliche Einbußen z.B. durch staatliche Hilfsmaßnahmen sicher für viele Unternehmen zu verkraften. Als Unternehmer haben wir aber die Verantwortung für das finanzielle Auskommen all unserer Mitarbeiter und deren Familien übernommen. Wir sind verantwortlich für die Menschen, die EVS ausmachen.

Kurzfristig wären die Einschnitte also mit staatlicher Hilfe leistbar. Was wären die Folgen auf längere Sicht?

Neben der eskalierenden humanitären Katastrophe sind die Folgen des Krieges in der Ukraine kaum absehbar aber in jedem Fall wirtschaftlich ein absolutes Fiasko. Durch die Pandemie bereits stark unter Druck geratene Lieferketten drohen vollends zu reißen. Er herrscht Knappheit an Energie, Rohstoffen, Material, Transportkapazität und Arbeitskraft. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland schränken viele Bereiche des wirtschaftlichen Handelns ein. Preise steigen nun noch schneller in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung rückt in weite Ferne. Besonders Energie-, Rohstoff- und Transportpreise zwingen uns als EVS zum Umdenken und Handeln. Auch wir werden die vollends aus den Fugen jeder Kalkulation geratenen Preise an unsere Kunden weitergeben müssen. Das ist Teil unserer Verantwortung.

In welcher Form konnten Sie sich und Ihr Unternehmen vorbereiten auf diese Situation?

Unsere Initiativen, uns als Unternehmen dynamikrobust und somit auch krisenfest aufzustellen, tragen erste Früchte. Mit unserer Digital-Offensive ist es uns gelungen, sehr viel mehr Transparenz und Klarheit in unsere Arbeitsabläufe zu bringen. Wir können knappe Arbeitskraft dort einsetzen, wo für unsere Kunden der größte Nutzen entsteht. Dank digitaler Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern haben wir uns auch deutlich mehr Flexibilität erarbeitet. Das schafft Raum und Möglichkeit, auch kurzfristig auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können; denn damit haben unsere Kunden derzeit jede Menge zu tun.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Viele haben Kunden in Russland oder sind von Vorprodukten aus Belarus bzw. der Ukraine abhängig. Erschwerte Ausfuhrbedingungen oder EU-Sanktionen zwingen deutsche Firmen – somit unsere Kunden – dazu, Lieferungen nach Russland einzustellen bzw. stark einzuschränken. Zudem entscheiden sich viele Unternehmen aus eigener Motivation zu dem Schritt, Lieferungen nach Russland bis auf weiteres einzustellen. Das wirbelt Produktionspläne, Organisationen und Lieferketten durcheinander. Fertige oder halbfertige Erzeugnisse werden aus der Produktion genommen und auf Eis gelegt. Im Klartext bedeutet das, dass kurzfristig ein enormer Lagerplatzbedarf entsteht. Lagerdauer ungewiss. Dieser plötzliche, ungeplante Bedarf trifft jedoch auf eine bereits angespannte Situation im Lager.

Was meinen Sie damit?

Die anhaltende Corona Pandemie und die auch damit in Zusammenhang stehenden Lieferengpässe führten in den vergangenen Monaten bereits dazu, dass Sicherheitsbestände soweit möglich erhöht wurden. Die Lager waren gut gefüllt. Kritische Bauteile wie Mikrochips, Steuerungen, Motoren und Vieles mehr fehlten dennoch. Das wiederum führte dazu, dass Maschinen nicht fertiggestellt werden und Kunden nicht beliefert werden konnten. Diese Anlagen verbrauchen also bereits deutlich mehr Lagerplatz, als er den meisten zur Verfügung steht.

Für solche Situationen gibt es doch unter anderem die EVS oder nicht?

Nun ja, das stimmt. Aber für unsere Kunden gilt: Ohne Auslieferung keine Zahlung! Nun kommt also erschwerend hinzu, dass unsere Kunden eine sehr große Vorfinanzierungsleistung eingehen müssen: Der Umsatz steht auf dem Hof, vielleicht auch auf unserem und die Preise für die Produktion und Transporte steigen unaufhaltsam. Eine bedrohliche Situation baut sich auf. Je länger also die aktuelle Krise anhält, Lieferketten gestört oder unterbrochen bleiben, Ausfuhren auch rechtlich schwierig sein werden, desto enger schnürt sich das Seil um den Hals der deutschen Wirtschaft. Selbst wer gute Vorsorge getroffen hat, war nicht auf diese Situation vorbereitet.

Eine dramatische Situation. Wie können wir den schlimmsten Folgen entkommen?

Es bleibt zu hoffen, dass der Konflikt in der Ukraine schnell beigelegt werden kann. Eine weitere Eskalation wollen wir uns nicht vorstellen. Solidarität und Verständnis zwischen den übrigen Ländern der Welt sowie zwischen Handelspartnern sind das A und O. Ich möchte positiv hervorheben, dass ich nie zuvor eine derart große Solidarität und Hilfsbereitschaft erlebt habe. Ich wünsche mir, dass sich das auch auf das Wirtschaftsleben hierzulande übertragen lässt. Kunden und Lieferanten müssen nun enger und partnerschaftlicher miteinander umgehen als je zuvor. Ich bin voller Hoffnung, dass auch das gelingen wird. Zusammen werden wir die Krise überstehen.

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